Auch wenn Degus oft für Ratten oder Hörnchen gehalten werden, gehören diese Nagetiere aus Chile zur Familie der Trugratten (Octodontidae). Sie wurden lange zu den Meerschweinchenverwandten gezählt, werden aber inzwischen in einer eigenen Unterordnung bei den Stachelschweinverwandten eingereiht. Zurzeit unterscheidet man 4 Arten, und zwar den als Heimtier gehaltenen Gewöhnlichen Degu (Octodon degus) sowie den Küsten-, Wald- und Pazifik-Degu.
Im Folgenden wird nur auf den Gewöhnlichen Degu eingegangen.
Größe und Aussehen
Die rund 180-300 g schweren Degus haben eine Rumpflänge von ca. 12-19 cm. Der 10-16 cm lange Schwanz ist schwarz behaart, trägt am Ende eine Haarquaste. Bei Zug reißt der Schwanz ab, bitte daher niemals am Schwanz festhalten! Degus sind oberseits bräunlich rot und unterseits gelblich weiß gefärbt. Es gibt bereits "blaue" Degus, die als Erwachsene bläulich grau und als Neugeborene auffallend silberblau gefärbt sind. Inzwischen werden auch gescheckte Tiere gezüchtet. Die Farbzucht ist allerdings kritisch zu betrachten, denn oft geht diese zu Lasten der Gesundheit der Tiere.
Wie viele Degus sollte ich halten?
Degus sind soziale Tiere, die in Chile in großen Familien leben. Daher dürfen sie niemals allein gehalten werden! Optimal sind Gruppen aus 3-5 gleichgeschlechtlichen Tieren um unerwünschten Nachwuchs zu verhindern.
Degus und Kinder
Degus sind keine geeigneten Tiere für Kinder! Meist bringen erst Kinder ab 12-14 Jahren die nötige Zurückhaltung im Umgang mit diesen Tieren auf. Degus eignen sich für alle, die Tiere gern beobachten.
Tiergerechte Degubehausung
Art und Größe
Degus laufen in der Natur jeden Tag mehrere Kilometer und benötigen daher einen sehr geräumigen Käfig. Bewährt haben sich Vogelvolieren und große Nagervolieren ab 120 x 50 x 100 cm (H x T x B oder B x T x H). Hier handelt es sich um das absolutes Mindestmaß für 2-3 Tiere, bei weiteren Tieren muss der Käfig entsprechend größer sein.
Degus nagen sich schnell durch ungeschütztes Plastik und Holz. Volieren sollten daher aus Metall gefertigt sein. Es kommt aber auch z.B. eine Holzvoliere (oft ein Selbstbau) in Frage, wenn dort wirklich alle Kanten vor den Nagezähnen geschützt werden. Dies kann z.B. mit Aluschienen erfolgen, die im Baumarkt erhältlich sind und mit ungiftigem Aquariensilikon aufgeklebt werden können. Als Gitter ist Hasendraht nicht geeignet, gut bewährt hat sich Casanet.
Terrarien, die einen guten Luftaustausch garantieren, können auch geeignet sein, wenn sie entsprechend groß sind. Lüftungsgitter und Plastiklaufleisten müssen vor den Zähnen geschützt werden. Terrarien ohne guten Luftaustausch oder aber hohe Aquarien können nicht verwendet werden, denn sie bieten keine ausreichende Lüftung und begünstigen Atemwegserkrankungen.
Käfigstandort
Das Deguheim muss in einem zug-/rauchfreien Zimmer stehen, das hell und gut temperiert sein sollte (16-23 °C). Der Käfig darf sich nicht an Heizkörpern oder in der prallen Sonne befinden (Überhitzung!). Zu vermeiden sind Lärm, laute Musik, schnelle und hektische Bewegungen. Optimal ist ein Standort mit Rückendeckung in Augenhöhe. Bedenken Sie außerdem, dass sich Degus nicht zwingend an einen festen Rhythmus halten und durchaus auch mal in der Nacht aktiv sein können.
Einrichtung und Einstreu
Die Voliere sollte mit mehreren Holzetagen und vielen Versteckmöglichkeiten ausgestattet sein. Steine, Äste, Wurzeln, Tonröhren, große Rindenstücke, Korkröhren und Holzhäusern gestalten den Käfig abwechslungsreich und nutzen die Krallen ab.
Ebenfalls nicht fehlen darf ein schwerer Behälter (z.B. großer Tontopf oder ein kleines Aquarium) mit Chinchillasand, in dem sich die Tiere zwecks Fellpflege genüsslich wälzen können.
Degus dürfen niemals in Wasser gebadet werden, ihr Fell zieht Feuchtigkeit und sie würden sich erkälten!
Da Degus eifrige Nagetiere sind, freuen sie sich über die regelmäßige Gabe von Ästen, wie z.B. Haselnusssträuchern, Weiden, ungespritzten Apfel- oder Birnbäumen.
Zu lange Krallen und Zähne behindern die Tiere und können Schmerzen verursachen.
Als Einstreu wird chemisch unbehandelte, unparfümierte Weichholzspäne, Hanfeinstreu oder auch z.B. Leineneinstreu verwenden - Torfmull (Staub!) oder Katzenstreu (giftig!) sind nicht geeignet!
Laufräder
Laufräder werden für Degus, die einen starken Bewegungsdrang haben, empfohlen. Allerdings sind einige handelsübliche Laufräder gefährlich. Plastiklaufräder werden angenagt. Metallaufräder mit offenen Speichen sind gefährliche Fußfallen, Haltestreben an den Laufrädern führen zum Schereneffekt, wodurch schon viele Degus ihre Schwänze verloren haben.
Verwenden Sie nur Laufräder, die durchgehend geschlossene Laufflächen oder ein sehr engmaschieges Gitter als Lauffläche aufweisen. Die Laufräder sollten aus Metall oder Holz (unter Umständen entsprechend geschützt) sein und benötigen einen Durchmesser von mindestens 30 cm, damit die Degus keine Rückenschäden bekommen. Immer häufiger sieht man inzwischen auch Laufteller, die eine Alternative zum Laufrad sein können.
Laufräder ersetzen keinen großen und abwechslungsreich eingerichteten Käfig, sie sind nur ein Zusatzangebot!
Auslauf
Zahme Degus dürfen Auslauf bekommen. Sichern Sie folgende Gefahrenquellen: Behälter mit Wasser, Chemikalien, Steckdosen, Kabel, Aschenbecher, offene Flammen, Ritzen hinter/zwischen Schränken, "jagende Haustiere" (z. B. Hund, Katze) usw. Schützen Sie auch Teppiche, Möbel und Bücher vor den Nagern.
Ernährung
Degus fressen in der Natur sehr karge Kost. Aus diesem Grund ist ihr Verdauungsapparat nicht auf zu zucker- oder fetthaltige Bestandteile ausgerichtet. Die Ernährung wird auch als eine der Ursachen für Diabetes bzw. die Linsentrübung diskutiert. Aus diesen Gründen sollte der verantwortungsbewusste Tierhalter in jedem Fall zuckerarm ernähren.
Heu
Frisches Kräuterheu ist das richtige und artgerechte Grundnahrungsmittel für Degus und muss jederzeit in ausreichender Menge vorhanden sein.
Trockenfutter
Das im Fachhandel angebotene Degufutter ist häufig zu zuckerhaltig oder auch gehaltvoll; dies gilt ebenso für das handelsübliche und zu gehaltvolle Mäuse- oder Hamsterfutter. Geeignet sind (teilweise vielleicht als Grundlage für eine Selbstmischung) z.B. JR-Farm Degufutter light, Hansemanns Fiesta Paradiso, Rodipet Zoodi Degufutter, Agrops Pre Alpin (verschiedene Sorten). Ein gutes Degufutter besteht aus Trockenkräutern, Blättern, Blüten & Co, unter Umständen auch ncoh etwas Trockengemüse. Dazu geben immer mehr Halter auch eine Mischung mit verschiedenen Sämereien.
Frischfutter
Täglich werden verschiedene Frischfuttersorten gereicht, die Tiere sollten allerdings langsam an eine solche Fütterung herangeführt werden. Geeignet sind z.B. Basilikum, Tomaten, Fenchel, Möhren (mit Grün), Gurken, verschiedene Salatsorten (selten), Chicoree oder Paprika. Kohlrabi, Chinakohl, Grünkohl/Wirz und Brokkoli sollten nur in geringen Mengen verfüttert werden.
Nicht verfüttern sollten Sie: alle anderen Kohlarten, Zwiebelgewächse, Avocados und Kartoffeln. Im Sommer können natürlich auch Löwenzahn, Gänseblümchen, Kamille, Spitzwegerich, Giersch, Schafgarbe, Ackerminze und viele andere Pflanzen verfüttert werden.
Zweige
Blätter und Zweige mit Rinde: z. B. von ungespritzten Weiden, Apfel- oder Birnbäumen, Haselnusssträuchern; Johannisbeerbüschen, Kirschbäumen und anderen Bäumen und Sträuchern dürfen nicht auf dem Speiseplan fehlen. Keine Zweige von Tannen, Fichten oder Eiben verfüttern, sie sind giftig für Degus.
Wasser
Es muss immer frisches Wasser in einer Nippelflasche oder einer Wasserschale angeboten werden.
Leckerlis
Gelegentlich dürfen in kleinen Mengen Nüsse, getrocknete Karotten, Kolbenhirse, trockene und gepresste Erbsen gegeben werden.
Drops, Knabberstangen oder andere Leckerlis gehören nicht auf den Speiseplan von Degus! Getrocknetes Brot ist ungesund!
Vitamine
Bei abwechslungsreichem Nahrungsangebot müssen keine zusätzlichen Vitamine angeboten werden. Kalksteine und Salzlecksteine sind unnötig bis ungesund.
Achtung
Kein Obst/Trockenobst (z. B. Rosinen) und keine Leckerlis (z. B. Drops, Knabberstangen) für Degus.
Achtung
Kein Obst/Trockenobst (z. B. Rosinen) und keine Leckerlis (z. B. Drops, Knabberstangen) für Degus.
Gesunderhaltung
Degus zeigen Krankheiten meist recht spät an, deshalb sollten die Degus täglich genau beobachtete werden, um Krankheitszeichen sofort zu erkennen!
- Kommen alle zum Fressnapf, suchen sie ihr Futter und fressen sie es?
- Sind sie munter, neugierig und an ihrer Umgebung interessiert, buddeln und laufen sie?
- Putzen sie sich gründlich? Ist ihr Fell sauber, dicht und glatt?
- Sind die Augen klar und nicht verklebt?
- Ist der After sauber? Haben die Köttel die übliche Größe, Form und Festigkeit?
- Sind sie nicht zu dünn, halten sie ihr Gewicht?
| Wenn sich die Degus anders als normal verhalten oder Krankheitszeichen auffallen, dann gehen Sie unverzüglich mit den Degus zu einem Tierarzt! |
Vergesellschaftung
Informationen zur Degu-Vergesellschaftung findest du hier!
Infodownloads
- Nagerschutz-Flyer [693 KB]
- Nagerschutz-Flyer s/w [475 KB]
Ausführliche Informationen im Internet
Buchempfehlung
“Degus” von Stefan Guminor; Natur und Tier-Verlag; ISBN: 3937285539
Copyright
(c) Texte von Christine Wilde - www.nager-info.de
(c) Bilder von Schanz Fotodesign und Tierbildarchiv - www.schanz-fotodesign.de







