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Allgemeines

Kaninchen sind Tiere, die in freier Wildbahn in Gruppen leben - der Mensch oder ein artfremdes Tier wie z. B. ein Meerschweinchen, kann den Partner nicht ersetzen!

Ein Pärchen versteht sich im allgemeinen am besten. Der Rammler (das Männchen) sollte früh genug (bis zur 14. Lebenswoche) kastriert werden, um Nachwuchs zu vermeiden. Zwei frühkastrierte Rammler können dauerhaft Freundschaft schließen. Weibchen sind nach der Geschlechtsreife mit 8 - 9 Monaten eher unverträglich. Kaninchen können bis zu 10 Jahre alt werden, normal ist ein Alter von 5 - 7 Jahren.


Kaninchen sind keine Nagetiere sondern gehören zur Gattung der Hasentiere, den so genannten Lagomorpha, und heute geht die Wissenschaft davon aus, dass Kaninchen und auch Hasen näher mit den Huftieren verwandt zu sein scheinen als mit den Nagetieren.

Einen Unterschied zu den "echten" Nagetieren kann auch der Laie erkennen: Während die echten Nager nämlich beim Kauen den Unterkiefer vor und zurück bewegen, mümmeln die Hasenartigen mit kreisförmigen Bewegungen. Auch können sie ihr Futter nicht mit den Vorderfüßen festhalten, was die meisten Nager können.

Im Gegensatz zu den meisten echten Nagern sind Kaninchen reine Pflanzenfresser.



Kaninchen sind keine Spieltiere für Kinder! Es müssen immer Erwachsene die Pflege der Kaninchen überwachen.  

Eingewöhnung neuer Kaninchen
Lassen Sie die Kaninchen zum Eingewöhnen erst mal 1 - 2 Tage in Ruhe, damit sie sich an die neue Umgebung gewöhnen können. Reden Sie mit leiser Stimme und halten Sie ihre Hand leicht hin, damit die Tiere sich an Sie gewöhnen. Sie können dann versuchen, es mit Leckerchen (z.B. getrocknetes Obst oder Gemüse) zu locken.

Richtiges Hochheben
Eine Hand wird unter die Brust hinter den Vorderpfoten gelegt um das Tier anzuheben, die Vorderpfoten werden fixiert. Die andere Hand stützt das Hinterteil. Kinder sollten die Kaninchen nur im Sitzen oder hockend auf dem Arm nehmen.

Auslauf
Kaninchen müssen täglich viel Auslauf in der Wohnung oder auf der Wiese im geschützten Garten bekommen. Achten Sie darauf, dass Ihre Kaninchen beim Auslauf keine Kabel, Zigaretten, Zimmerpflanzen und andere giftige Sachen annagen.

Tiergerechte Kaninchenbehausung

Größe
Ein Käfig mit den Maßen 140 x 60 cm ist das absolute Minimum für 2 Kaninchen, aber nur, weil es kaum größere Käfige zu kaufen gibt. So ein Käfig eignet sich nur für Tiere, die durchgehend Auslauf haben!

Das Gehege für Kaninchen mit wenig Auslauf muss pro Tier mindestens zwei Quadratmeter Grundfläche für kleine bis mittelgroße Kaninchen haben!

Kaninchen bewegen sich hoppelnd vorwärts und da kann es nicht tiergerecht sein, wenn sie nach einem Sprung gleich am Gitter landen!  

Einrichtung
Etagen und Korkröhren sind eine willkommene und tiergerechtere Alternative zu den handelsüblichen Häusern. In einem Käfig kann man problemlos eine Spanplatte (ca. 50 x 60) als Etage anbringen. Entscheiden Sie sich dennoch für Häuser, wählen Sie diese ausreichend groß (mindestens 40 x 40 cm). Aachten Sie darauf, dass die Häuser mindestens zwei Eingänge haben, damit die Kaninchen bei Rangstreitigkeiten einfach durch die Häuser durch rennen können. Verwenden Sie keine Häuser aus Plastik, darin herrscht keine ausreichende Luftzirkulation! Bevorzugen die Kaninchen eine bestimmte Ecke, um ihr Geschäft zu erledigen, sollte dort eine Toilette angeboten werden.

Zubehör
Unentbehrlich ist ein Platz für das tägliche Heu. Für Gitterkäfige gibt es Heuraufen, die außen am Käfig angebracht werden. In Heuraufen ohne Abdeckung besteht Verletzungsgefahr. Die meisten Kaninchen mögen ihr Heu lieber direkt vom Boden, auch wenn Sie es dort verschmutzen und es täglich 2 x ausgetauscht werden muss.

Die richtige Einstreu
Geeignet sind z. B. Hanfstreu, Strohpellets, Buchengranulat oder das normale Kleintierstreu. Über die Einstreu kommt immer eine dicke Lage Stroh oder auch Heu. Über Pelleteinstreu muss immer Heu oder Stroh angeboten werden, um die empfindlichen Füße der Tiere zu schonen. Verwenden Sie kein Katzenstreu: Klumpstreu kann im Magen der Tiere verklumpen. Jedes Katzenstreu kann bei Verzehr giftig sein!

Mindestens einmal pro Woche muss das Gehege gründlich gereinigt werden, die Toilette täglich.

Ernährung

Nicht zu einer tiergerechten Ernährung gehören die meisten Lecerkchen, welche im Fachhandel angeboten werden!  



Knabberstangen, Joghurtdrops, Nagergebäck und ähnliche Knabbereien enthalten viel Zucker und Getreide und schädigen damit die Verdauung.

Gras / Heu
Das natürlichste Nahrungsmittel für Kaninchen ist eine schöne Mischwiese aus Gras und Wildkräutern. Im Sommer kann frisches Wiesengrün nach langsamer Gewöhnung in großen Mengen angeboten werden.
Da Gras in der Heimtierhaltung und vor allem im Winter nicht immer angeboten werden kann, ist die Alternative Heu. Heu muss immer unbegrenzt zur freien Aufnahme angeboten werden. Durch das ständige Heumahlen nutzen sich die Backenzähne gut ab. Gutes Heu ist leicht grünlich, langstielig und riecht frisch. Staubiges, muffiges, schimmeliges und feuchtes Heu kann Krankheiten hervorrufen. Legen Sie immer etwas Heu auf den Boden, viele Kaninchen nehmen das Heu lieber vom Boden auf, als aus der Raufe.
Gemüse
Gemüse führt den Kaninchen Vitamine, Kohlenhydrate und Flüssigkeit zu. Ca. 80 g Gemüse pro 1 kg Kaninchengewicht sind das Minimum! Obst kann gelegentlich angeboten werden. Täglich sollten etwa 4 – 5 verschiedene Gemüsesorten angeboten werden um Mangelerscheinungen vorzubeugen.

Folgendes können Sie zB. verfüttern:
Fenchel, Möhren (mit Grün), Sellerieknolle, Sellerie, Petersilienwurzel, Pastinaken, Gurken, verschiedene Salatsorten (selten), Kohlrabi, Kürbis, Chicoree, Äpfel, Topinamur (ganze Pflanze und Knolle).

Kohlrabi, Chinakohl, Grünkohl/Wirz, Paprika, frischer Mais mit Blättern und Brokkoli sollten langsam angefüttert werden, um Unverträglichkeiten zu vermeiden.

Grünfutter
Grünfutter muss regelmäßig angeboten werden. Unter dem Begriff Grünfutter werden alle grünen Pflanzenteile zusammengefasst. Gemeint sind vor allem Gräser und Kräuter wie Löwenzahn, Spitzwegerich, Girsch, Kamille, Minze; auch Küchenkräuter wie Petersilie, Basilikum, Dill und Melisse; Blumen (mit Blüten) wie Sonnenblumen, Ringelblumen; Kraut und Blätter von Kulturpflanzen wie Möhrenkraut, Fenchelgrün, Kohlrabiblätter. Gräser, Kräuter und Blüten stehen im Sommer täglich auf dem Speiseplan, im Winter werden sie getrocknet verfüttert - sie sind ein wichtiger Protein- und Vitaminlieferant für unsere Kaninchen.

Trockenfutter
Tragende, kranke, besonders große oder in Winteraußenhaltung lebende Kaninchen können zusätzlich ein wenig Trockenfutter bekommen. Achten Sie darauf, dass das Futter keine Getreidekörner und keine Melasse/Zucker enthält. Gutes Trockenfutter sollte aus getrockneten Kräutern und Gemüse und sehr wenigen Sonnenblumenkernen bestehen. Gegeben wird täglich ein Teelöffel pro 1 kg Kaninchengewicht.

Gesund ernährte Kaninchen benötigen weder Pellets noch anderes Fertigfutter!  

Tragende, kranke, besonders große oder in Winteraußenhaltung lebende Kaninchen können zusätzlich ein wenig Trockenfutter bekommen. Achten Sie darauf, dass das Futter keine Getreidekörner und keine Melasse/Zucker enthält. Gutes Trockenfutter sollte aus getrockneten Kräutern und Gemüse und sehr wenigen Sonnenblumenkernen bestehen. Gegeben wird täglich ein Teelöffel pro 1 kg Kaninchengewicht.

Zweige
Damit sich die Schneidezähne der Kaninchen abnutzen, sollten Zweige zum Benagen zur Verfügung stehen. Besonders geeignet sind Zweige von Apfelbäumen, Haselnussbäumen, Birnenbäumen, Birken, Erle, Weiden sowie Johannisbeerbüsche, Heidelbeerbüsche. Ebenfalls werden Tannen vertragen, Giftig sind unter anderem Thuja und Eibe!

Altes, hartes Brot dient nicht der Zahnabnutzung!
Es enthält Salze und Backtriebmittel und zuviel Stärke und ist somit schwer verdaulich. Es sollte also nicht verfüttert werden.

Wasser
Frisches Wasser sollte immer in einer nicht tropfenden Tränke oder tiergerechter im Napf zur freien Verfügung gestellt werden.

Eine zusätzliche Vitamingabe, Salzlecksteine und Kalksteine sind bei abwechslungsreicher Ernährung nicht erforderlich!

Gesundheitscheck

Wenn eines Ihrer Tiere sich anders als normal verhält oder Ihnen Krankheitszeichen auffallen, dann gehen Sie unverzüglich zu einem Tierarzt!  

Kaninchen verbergen Krankheiten sehr gut vor dem Halter, darum sollten Sie sehr genau nach Krankheitszeichen Ausschau halten!

Haben Sie deshalb täglich ein wachsames Auge auf Ihre Lieblinge: Kommen alle zum Fressnapf? Sind sie wach und an ihrer Umgebung interessiert? Fressen sie normal? Bewegen Sie sich normal und sind sie aktiv?

  • Wiegen Sie Ihre Kaninchen regelmäßig, ein deutlicher Gewichtsverlust weist auf eine Krankheit hin.
  • Kontrollieren Sie das Fell auf kahle oder schorfige Stellen, diese weisen auf einen Pilz-, Milben-oder Haarlingsbefall hin.
  • Kontrollieren Sie die Augen, verklebte Augen weisen auf Infektionen und Schmerzen hin.(Reinigen Sie die Augen niemals mit Kamille, das führt zu Augenreizungen).
  • Schauen Sie den Tieren in das Mäulchen, die Vorderzähne müssen so zueinander stehen, dass sie sich gut abnutzen können.
  • Überprüfen Sie die Krallen, sind sie zu lang dann müssten sie gekürzt werden. Lassen Sie sich von einem erfahrenen Kaninchenhalter oder Ihrem Tierarzt zeigen wie das geht!
  • Schauen Sie in die Ohren, Schuppen weisen auf Milbenbefall hin.
  • Kontrollieren Sie den Analbereich. Wenn dieser dreckig und verklebt ist, dann könnte Ihr Kaninchen Durchfall haben. Weicher und breiiger Kot sind ebenfalls ein Zeichen für massiven Durchfall.
  • Tasten Sie Ihr Kaninchen ab, um evtl. Tumore oder Abszesse rechtzeitig zu erkennen.
  • Achten Sie auf Atemgeräusche um Lungenerkrankungen rechtzeitig zu erkennen!
2 x im Jahr ist, auch für Wohnungskaninchen, eine Impfung gegen Myxomatose und einmal im Jahr gegen RHD notwendig!  

Zahngesundheit

„Mein Kaninchen isst nicht mehr richtig und hat Schwierigkeiten beim Kauen.“ Oftmals kommen Tierfreunde mit diesem Problem in die Tierarztpraxis. Die häufigste Ursache sind Zahnprobleme bzw. Zahnfehlstellungen, die aber meist viel zu spät erkannt werden.

Zahnfehlstellungen: Fütterung kaum noch möglich

Durch Fehlstellungen der Backenzähne kommt es nicht mehr zum gleichmäßigen Abrieb der Ober- und Unterkieferzähne. Es entstehen Zahnspitzen und -kanten (Treppenbildung). Da die Zähne stets wachsen, werden die Kanten immer größer. Verletzungen der Backenschleimhaut oder der Zunge sind die Folge. Zudem kann das Kaninchen die Zunge kaum bewegen – kein Wunder, dass dann die Futteraufnahme unmöglich wird. Ohne Behandlung würde das Kaninchen verhungern. Auch zu lang gewachsene Schneidezähne („Elefantenzähne“) behindern den Nager.

Auch bei Kaninchen können sich Zähne lockern. Bakterien dringen ein, Abszesse entstehen. Fallen Zähne aus, hinterlassen sie tiefe Knochenhöhlen, die nur selten richtig verheilen.

Die tierärztliche Kontrolle der Zähne und die Korrektur von Zahnfehlstellungen gehören daher zu einer unerlässlichen Gesundheitsvorsorge.

Empfehlenswert ist es ebenso, das Tier ein Mal im Monat zu wiegen (Küchenwaage), um Veränderungen rasch zu bemerken.

Gemüse, Heu und Grünfutter für den richtigen Zahnabrieb.

Genetische Faktoren spielen bei der Entstehung von Zahnfehlstellungen eine Rolle. Aber überwiegend liegt der Grund in einer falschen Ernährung.

Entscheidend ist die Reibung der Zähne aufeinander beim Kauvorgang. Das bedeutet für die Fütterung: vorwiegend Heu, Gemüse und Grünfutter. So werden die Zähne optimal abgenutzt – anders als bei der Fütterung mit energiereichem Fertigfutter.



Vergesellschaftung

Informationen zur Kaninchen-Vergesellschaftung findest du hier!



Info-Download

  • KANINCHENFALTBLATT FÜR KINDER - Download [2.280 KB]
  • KANINCHENFALTBLATT FÜR KINDER S/W - Download [754 KB]
  • KANINCHENFALTBLATT - Download [1.049 KB]
  • KANINCHENFALTBLATT S/W - Download [754 KB]
  • KANINCHEN-FUTTERLISTE - Download [435 KB]
  • KANINCHENKEKSE-REZEPT - Download [839 KB]

Ausführliche Informationen zu (Zwerg-)Kaninchen

Buchempfehlungen

  • "Leben mit Kaninchen" von Christine Wilde, Verlag: NTV Verlag
  • "Wohnen mit Kaninchen: Ideenreich - heimelig – charmant" von Heike Schmidt-Röger Verlag: Ulmer (Eugen.
  • "Artgerechte Haltung-ein Grundrecht auch für (Zwerg-) Kaninchen" von Ruth Morgenegg, KiK-Verlag

Copyright

(c) Texte von Christine Wilde - www.nager-info.de
(c) Bilder von Schanz Fotodesign und Tierbildarchiv - www.schanz-fotodesign.de