Allgemeines
Mongolische Rennmäuse (Meriones unguiculatus) haben eine Körpergröße von etwa 10 -14 cm, dazu kommt noch ein ca. 10 - 12 cm langer Schwanz. Sie werden bei guter Pflege ca. 3 – 4 Jahre alt. Das durchschnittliche Körpergewicht liegt bei weiblichen Tieren bei etwa 60 - 100 g, bei den männlichen, meist kräftigeren Tieren bei etwa 70 - 110 g.
| Rennmäuse sind sehr gesellige Tiere und sollten niemals einzeln gehalten werden! |
Gut vertragen sich gleichgeschlechtliche Geschwistertiere aus einem Wurf. Jungtiere sollten vor der 10. Lebenswoche vergesellschaftet werden. Einzelne ältere Tiere werden idealerweise auch mit Jungtieren unter 10 Wochen vergesellschaftet. Anfänger sollten nur mit zwei Tieren anfangen, die Haltung von größeren Gruppen erfordert viel Erfahrung, auch nach längerer Zeit kann es dort zu Rangkämpfen kommen.
Ein Pärchen Mongolische Rennmäuse sorgt für viel Nachwuchs! Daher ist davon dringend abzuraten!
Anschaffung
Oft warten im Tierheim oder in Notaufnahmen Rennmäuse in allen Altersgruppen (auch Babys) auf ein neues Zuhause. Tiere aus Zoogeschäften kommen meistens aus industrieller Massenzucht.
Es müssen immer Erwachsene die Pflege der Tiere überwachen. Rennmäuse sind eher die idealen Hausgenossen für erwachsene und berufstätige Menschen.
Tiergerechte Rennmausbehausung
Größe
Im allgemeinen wird ein Aquarium oder ein gut belüftetes Terrarium L 100 x B 40 x H 40 cm für 2 Tiere als Minimum empfohlen. Käfige eigenen sich nicht als alleinige Behausung, da sie nicht hoch genug eingestreut werden können. Gitter von Käfigen oder Aquarienabdeckungen sollten einen Höchstabstand von 1,2 cm bei erwachsenen Tieren nicht überschreiten. Eigenbauten aus Holz sind geeignet, wenn alle Kanten gesichert werden, damit die Tiere sich nicht heraus nagen.
Bei der Haltung von 2 Tieren, wie es für Laien empfohlen wird, darf das Gehege gern auch viel größer sein.
Zubehör
Ein Haus, z. B. Hamsterhäuschen oder Nistkasten für Wellensittiche, sollte nicht fehlen, es wird am Boden des Geheges aufgestellt. Eine Trinkflasche oder ein Wassernapf an geschützter Stelle und ein Frischfutternapf oder Frsichfutterspieß sind sinnvoll. Sie werden idealerweise auf einer Streugeschützten Etage angeboten.
Einrichtung
Verzichten Sie bei der Einrichtung des Rennmausheims auf Plastik, angenagt und verzehrt könnte es zum Tode der Tiere führen. In Plastikhäusern und -röhren herrscht keine ausreichende Luftzirkulation. Verzichten Sie auch auf Gitteretagen, in denen Ihre Rennmäuse stecken bleiben können.
Eine Buddelecke mit Chinchillasand ist beliebt und für die Fellpflege unentbehrlich. Sandkastensand eigenet sich nicht, er ist zu grobkörnig und schädigt das Fell.Geben Sie den Sand in eine hohe Schale oder ein Vogelnistkasten, damit er nicht gleich ausgebuddelt wird. Sand und Laufrad können auch in einem separaten Gehege angeboten werden.
Folgendes kann Ihren Rennern darüber hinaus das Leben verschönern:
Etagen, durchlöcherte Baumstümpfe, Heunester, Heuberge zum darin herum klettern, lange Pappröhren an den Käfigoberteilen, Korkröhren und Rampen, ein Erdebuddelkasten, Wurzeln wie sie für Aquarien verkauft werden, lange Äste zum darin und darauf herum klettern und benagen, Spieltürme, Toilettenpapierrollen, unbedruckte Kartons in allen Größen und vieles mehr.
Die richtige Einstreu
Geeignet ist das normale, staubfreie Kleintierstreu aber ebenso Hanfstreu, Maisstreu. In einem Zusatzaquarium kann auch zusätzlich ein trockenes Erde/Sandgemisch oder nur Chinchillasand angeboten werden. Zur Stabilisierung wird Heu und Stroh unter die Einstreu gemischt. Verwenden Sie kein Katzenstreu!
Besonders wohl fühlen sich die Tiere, wenn Sie mehr als die Hälfte des Aquariums mit Einstreu fühlen, 20 cm Einstreuhöhe sollten mindestens sein, optimal sind Einstreuhöhen ab 30 cm.
Bei einer Einstreuhöhe von ca. 30 cm muss das Gehege nur etwa alle 2 – 4 Wochen, oder je nach Größe noch seltener gereinigt werden.
Laufräder
Handelsübliche Laufräder stellen eine Gefahrenquelle dar. In den Sprossen können sich die Tiere verfangen und die Gliedmaßen brechen, der Schwanz kann eingeklemmt und schlimmstenfalls gebrochen oder abgerissen werden. Beim Aussteigen können sie sich zwischen den Haltestreben einquetschen (Schereneffekt). Es kann in viele zu kleinen Gehegen zu einer Art Laufradsucht kommen, welche die Tiere an jeder vernünftigen Aktivität hindert (Stereotype). Es kommt durch die meist zu kleinen Laufräder zu einer starken Verkrümmung der Wirbelsäule (vorne läuft die Maus hoch, hinten runter!), diese wird falsch abgenutzt, was den Tieren auf Dauer Schmerzen bereitet. Geeignete Laufräder haben eine geschlossene und eine offene Seite, die Lauffläche ist geschlossen (Jutebänder werden angenagt!), die Aufhängung ist an der Wand und sie haben einen Mindestdurchmesser von 25 cm. Gut geeignet sind die Holzlaufräder, sowie die Wodent Wheels.
| Laufkugeln, sogenannte Joggingbälle und offene Metalllaufräder sind laut "Tierärztlicher Vereinigung für den Tierschutz" tierwidrig. Die Tiere leiden massiv in Laufkugeln und werden dadurch krank. Deshalb sollten niemals Joggingbälle verwendet werden. |
Ernährung
| Nicht zu einer tiergerechten Ernährung gehören die vielen bunten Leckerlis, die Sie im Fachhandel angeboten bekommen! |
Joghurtdrops, Nagergebäck und ähnliche Knabbereien enthalten zu viel Zucker und Fett und sind nicht unbedingt empfehlenswert. Gesunde Leckerlis sind Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Erdnüsse oder auch getrocknetes Obst wie Rosinen oder Hagebutten. Allerdings dürfen diese Leckerchen nur in kleinen Mengen angeboten werden, Rennmäuse neigen dazu, schnell fett zu werden. Um Ihre Renner handzahm zu machen, können Sie auch erstmal alle Leckerchen wie Sonnenblumenkerne und Nüsse nur von Hand geben.
Trockenfutter
Rennmäuse ernähren sich hauptsächlich von Getreide und Sämereien und nehmen nur wenig Früchte oder tierische Nahrung zu sich. Als Hauptnahrung sollte eine Körnermischung gereicht werden.
Folgende Bestandteile sollte das Futter enthalten
Hirsesorten und Kleinsämereien wie z.B. Grassamen (diese sollten ca. 40% des Futters ausmachen), Getreidemischung (Weizen, Hafer, Gerste, Roggen als Korn und Flocken), Amaranth, Mais, fettarme Hundeflocken, ungezuckerte Corn Flakes, ebenfalls geeignet sind ungezuckertes Vollkornmüsli, rohe Nudeln, getrocknetes Gemüse und Erbsenflocken in kleinen Mengen.
Getrocknete Kräuter können ebenfalls verfüttert werden. Geeignet sind unter anderem: Kamille, Fenchel, Salbei, Löwenzahn, Schafgarben, Brennnesselblätter, Gänseblümchen, Grüner Hafer.
Frisches Blüten- oder Kräuterheu sollte immer im Käfig vorhanden sein, zum Nestbau, zum darin herum wühlen und zum Verzehr.
Eine Kolbenhirse oder auch Getreideähren als Beschäftigungsfutter werden gerne angenommen.
Frische Zweige von Birken, Obst-, Hasel-, oder Weidenbäumen sollten immer zum Benagen im Käfig vorhanden sein, es können auch frische Blätter dran bleiben.
Frischfutter
Füttern Sie Grünfutter nur in solchen Mengen, dass es schnell verzehrt wird. Geben Sie kleine Portionen und vergewissern Sie sich, dass die Rennmäuse Frischfutter nicht bunkern.
Folgendes kann gegeben werden:
Gemüse täglich/Obst nur sehr selten als Leckerchen, Rennmäuse neigen zu Diabetes.
Fenchel, Möhren (mit Grün), Sellerieknolle, Sellerie, Petersilienwurzel, Pastinaken, Gurken, verschiedene Salatsorten (selten), Kürbis, Chicoree, Äpfel, Topinamur (ganze Pflanze und Knolle).
Kohlrabi, Chinakohl, Grünkohl/Wirz, Paprika, frischer Mais mit Blättern und Brokkoli sollten nur in geringen Mengen und nach langsamer Gewöhnung verfüttert werden.
Nicht verfüttern sollten Sie: alle anderen Kohlarten, Zwiebelgewächse, Avocados und Kartoffeln
Im Sommer können natürlich auch Gras, Löwenzahn, Gänseblümchen, Kamille, Spitzwegerich, Giersch, Schafgarbe, Ackerminze und viele andere Pflanzen verfüttert werden. Verfüttern Sie nur Pflanzen, die Sie als ungiftig für Rennmäuse kennen. (Pflanzen, die uns harmlos erscheinen, können für Rennmäuse giftig sein!)
Tierisches Eiweiß
Tierisches Eiweiß sollte täglich gegeben werden. Verfüttert man lebende Insekten, so kann man beobachten, wie die Rennmäuse plötzlich einen enormen Jagdtrieb entwickeln und die Beute verfolgen. Wem die Gabe von Lebendfutter nicht behagt, der kann auch getrocknete Insekten verfüttern, jedoch hat man bei lebenden Tieren den Vorteil, sie vorm Verfüttern noch selbst mit hochwertigem Futter versorgen zu können und so ihren Vitamin- und Mineraliengehalt zu steigern.
Trächtige und säugende Tiere brauchen mehr Eiweiß, um die Jungen ausreichend versorgen zu können. Fehlt Eiweiß in der Ernährung, kann es zu Infantizid (töten und fressen der Jungen) kommen. Nicht verfüttern sollte man selbst gefangene Insekten wie Fliegen oder auch Heuschrecken. Zum einen weiß man bei Fliegen nie genau, wo diese schon überall waren und ob sie ggf. Krankheitserreger mitbringen, zum anderen sind bestimmte Insekten geschützt und sollten nicht aus der Natur entnommen werden.
Gekochtes Eiweiß oder Milchprodukte sind kein gleichwertiger Ersatz zu lebenden Insekten!
Geeignet:
- Mehlwürmer
- Zophobas
- Heuschrecken
- Heimchen
- Grillen
- Gammarus
- Schaben
Hunde- und Katzenfutter
Prinzipiell ist die Verfütterung von Hunde oder Katzenfutter nicht schädlich. Die oft kritisierte Taurinzugabe in Katzenfutter ist nicht per se giftig und auch eine Schädlichkeit konnte nicht nachgewiesen werden. Jedoch ist es so, dass die meisten Futtersorten oder gar Leckerchen für diese Tiere kaum Fleisch enthalten und somit für eine Rennmaus keinen Nutzen bringen. Minder wertiges Trockenfutter oder Hundekuchen bestehen vor allem aus Nebenerzeugnissen und/oder Getreide. Eine Fütterung damit ist also nicht empfehlenswert.
Hochwertiges Hunde- oder Katzentrockenfutter (mit keinem oder wenig Getreide und einem hohen Fleischanteil!) kann als Eiweißlieferant oder Leckerlie gegeben werden. Jedoch sind natürlichere Eiweißquellen (Insekten) vorzuziehen. Man sollte auch darauf achten Fleischprodukte aus nicht tierquälerischen Massenhaltung zu verfüttern! Bzw. am besten ganz darauf zu verzichten.
Milchprodukte
Durch Milchprodukte kann man nicht den Bedarf an tierischem Eiweiß decken, sie sind also nicht als Lieferanten für dieses anzusehen, eher als Leckerei. Man sollte jedoch darauf achten Milchprodukte aus nicht tierquälerischen Massenhaltung zu verfüttern! Bzw. am besten ganz darauf zu verzichten. Alternative: Soja-Joghurt.
Gesundheitscheck
Haben Sie täglich ein wachsames Auge auf die Tiere
- Kommen alle zum Fressnapf, suchen sie ihr Futter?
- Sind sie munter, neugierig und an ihrer Umgebung interessiert, buddeln und laufen sie?
- Putzen sie sich gründlich? Ist ihr Fell sauber, dicht und glatt?
- Sind die Augen klar und nicht verklebt?
- Ist der After sauber?
- Sind sie nicht zu dünn, halten sie ihr Gewicht?
| Wenn sich die Tiere anders als normal verhalten oder Ihnen Krankheitszeichen auffallen, dann gehen Sie unverzüglich zu einem Tierarzt! |
Tragen
Bleibt Ihre Rennmaus auf Ihrer Hand sitzen, können Sie sie hochnehmen. Aber Vorsicht: Rennmäuse sind recht flinke Gesellen, sie könnten schneller von Ihrer Hand springen, als Sie schauen können.
Nehmen Sie die Renner zu Anfang am besten mit einer Dose oder einem Becher hoch und halten Sie das Behältnis zu.
Heben Sie die Tiere niemals an der Schwanzspitze hoch! Der Schwanz könnte abbrechen, die Haut könnte abreißen und Sie würden dem Tier sicher große Schmerzen bereiten. Idealerweise umfassen Sie das Tier mit beiden Händen komplett beim hochnehmen.
Vergesellschaftung
Informationen zur Rennmaus-Vergesellschaftung findest du hier!
Info-Downloads
- RENNMAUSFALTBLATT - Download [1.355 KB]
- RENNMAUSFALTBLATT S/W - Download [549 KB]
- FUTTERLISTE - Download [610 KB]
Ausführliche Informationen
Buchtipp
"Rennmäuse" von Heike Schmidt-Röger; Ulmer Verlag; ISBN: 3 8001 3685 6
Copyright
(c) Texte von Christine Wilde - www.nager-info.de
(c) Bilder von Schanz Fotodesign und Tierbildarchiv - www.schanz-fotodesign.de









