Vergesellschaftung von Kaninchen



Zusammenführung von Kaninchen

Für Anfänger empfiehlt es sich, ein bereits bestehendes Pärchen aus dem Tierheim oder einer Tierschutzorganisation zu holen. Hat man jedoch bereits ein Kaninchen Zuhause, ist eine Zusammenführung unumgänglich.
Zusammenführungen von Pärchen sind in der Regel kein großes Problem und meist innerhalb weniger Tage erfolgreich abgeschlossen. Es müssen nur einige wenige Grundregeln beachtet werden.
Ihr Kaninchen lebt ja bereits seit einiger Zeit bei Ihnen, das heißt, es hat hier sein Revier. Setzt man nun ein fremdes Kaninchen in dieses Revier wird es selbstverständlich "angegriffen und verjagt". Denn nur Angehörige der eigenen Sippe dürfen in diesem Revier leben. Und bis das fremde Kaninchen ein Mitglied dieser Sippe wird, das dauert seine Zeit.

Um es den Kaninchen also möglichst einfach zu machen, sich kennenzulernen und Freunde zu werden, ist es wichtig, dass die erste Begegnung nicht im Revier eines der beiden Kaninchen stattfindet. Sie sollten also auf jeden Fall "neutralen Boden" wählen. Das kann der Flur, das Badezimmer, die Küche oder sonst ein Raum sein, in dem sich die Kaninchen sonst nicht aufhalten. Bei Kaninchen in Außenhaltung bietet sich beispielsweise die Garage an.

Wichtig ist zu wissen, dass kleine Verfolgungsjagden, ausgezupftes Fell und Rammeln zu einer Zusammenführung dazu gehören. Das ist meist für uns Halter schlimmer mit anzusehen als es für die Tiere ist. Es ist ihr natürliches Verhalten. Meist gibt es ein unterlegenes Tier, das ständig auf der Flucht ist. Man neigt dazu, mit diesem Tier Mitleid zu haben. Trennen Sie die Kaninchen dennoch nicht! Sie tun ihnen keinen Gefallen damit, denn das bedeutet, dass sie es irgendwann erneut versuchen müssen und aller durchgestandene Stress bisher umsonst war. Trennen Sie wirklich nur, wenn die Tiere sich ineinander verbeißen und sich nicht mehr loslassen oder durch Kämpfe schlimme Wunden entstehen.



Bei einer Zusammenführung kann es auch mal wild zugehen.

Schritt-für-Schritt Anleitung:

1. Bereiten Sie ein neutrales Gehege vor. Das bedeutet, keines der "teilnehmenden Kaninchen" sollte dieses Gehege bereits kennen. Das Gehege sollte nicht zu klein sein, damit sich die Kaninchen auch aus dem Weg gehen können bzw. das bei Jagereien keiner leicht in die Ecke gedrängt werden kann. Verkleinert werden kann das Gehege späer immer noch, wenn sich herausstellt, dass sich die Kaninchen zu sehr aus dem Weg gehen. Im Gehege sollten ein paar Häuschen mit mehreren Ein- und Ausgängen sowie mehrere Futter- und Wasserstellen und Toiletten vorhanden sein. Als Häuschen eignen sich große Pappkartons in die man Löcher schneidet. Pappkartons sind sehr weich und haben keine spitzen Ecken, an denen sich flüchtende Tiere verletzen könnten. Beachten Sie bei der Wahl des Standortes des Zusammenführungsgeheges, dass eine Zusammenführung unter Umständen einige Tage oder Wochen dauern kann und Sie solange mit diesem Gehege leben müssen.
Legen Sie sich für alle Fälle Handschuhe bereit um in einander verbissene Kaninchen gefahrlos trennen zu können. Wenn sie sehr nervös sind, holen Sie sich am Besten Unterstützung.

2. Setzen Sie die Kaninchen gleichzeitig in das Gehege. Sollten Sie ein sehr schüchternes oder verängstigtes Kaninchen haben, können Sie diesem ein paar Minuten Vorsprung geben.

3. Setzen Sie sich neben das Gehege und beobachten Sie die Tiere. Greifen Sie nur ein, wenn sich Tiere ineinander verbeißen und nicht mehr loslassen. Jagereien bei denen auch Fell fliegt, gegenseitiges Rammeln und wilde Fluchten sind absolut normal und gehören zur Klärung der Rangordnung dazu. Auch kleinere Schrammen sind absolut im Rahmen. Greifen Sie wirklich nur ein, wenn die Tiere massiv aufeinander losgehen oder gravierende Wunden entstehen.

4. Wenn die Tiere mehrere Stunden friedlich geblieben sind, es keine dramatischen Ereignisse gab und es langsam ruhiger wird, können Sie die Tiere das erste Mal alleine lassen. Anfangs sollten Sie noch regelmäßig nach den Tieren sehen, die Zeitspannen in denen Sie die Tiere allein lassen können, dürfen aber immer länger werden. Natürlich immer vorausgesetzt, es bleibt friedlich.

5. Nun sind beim Halter vor allem Nerven und Geduld gefragt. Liebe auf den ersten Blick ist bei Kaninchen wirklich selten. Die meisten Tiere müssen sich erst aneinander gewöhnen, sich kennenlernen und eine Rangordnung festlegen. Sie sollten nicht frustriert sein, wenn die Tiere sich nicht gleich am ersten Tag einigen und kuschelnd nebeneinander liegen. Bei Pärchen regelt es sich meist innerhalb weniger Tage. Bei größeren Gruppen dauert es normalerweise länger.

6. Ein Umzug ins alte Revier ist erst dann ratsam, wenn sich die Tiere wirklich gut verstehen, d.h. wenn sie kuscheln, friedlich miteinander fressen, sich gegenseitig putzen. Erst dann sollten Sie sie ins gereinigte und umgestellte Gehege umsiedeln. Es ist völlig normal, wenn es nun noch einmal zu Reibereien kommt. Diese sind aber meistens schnell vorbei und Sie haben die Zusammenführung Ihrer Kaninchen erfolgreich gemeistert.



Erfahrungsberichte

Pünktchen und Anton - oder manche brauchen eben länger
Die Zusammenführung von Pünktchen und Anton hat am 23.12.2005 begonnen und wurde Anfang April 2006 erfolgreich abgeschlossen.
Anton war gerade 2 Tage bei uns, seine Partnerin war an e.c. gestorben und wir wollten ihm so schnell wie m&oumlglich wieder eine süße Maus zum schmusen, putzen und gl&umlcklich sein geben. So haben wir Pünktchen (Wildi-Mix) aus einer supertollen Pflegestelle geholt. Wir haben sie samt Box in den Freilauf gesetzt und Anton kam gleich neugierig angerannt ... schnüffelte kurz und hat Pünktchen sofort abgeschleckt ... ich war sooo glücklich, ein echtes Weihnachtsgeschenk ... das leider aber nur 5 Minuten gehalten hat ... dann kam Fräulein Pünktchen aus der Box und war die nächsten 3,5 Monate auf der Flucht. Vor Anton, vor mir, vor einfach allem, was sich genähert hat. Zu Anfang hat Anton das völlig akzeptiert, hat sich ihr nur langsam genähert, aber irgendwann wurde es ihm wohl zu bunt und er hat angefangen sie zu jagen. Er hat sie zwar selten erwischt, aber Fell ist doch ab und an mal geflogen ... ich war manchmal echt den Tränen nahe, denn sie hat gequietscht vor Angst.

Zuerst hab ich mich an Erfahrungsberichte und viele aufbauende Worte geklammert, aber schon hin- und her&umlberlegend, wen ich zur Not abgeben müsste oder wie die Situation zu retten wäre. Schlie&szliglich hat mich einzig die Tatsache weitermachen lassen, dass die beiden im Mai oder Juni mit den anderen 4 zusammengeführt werden sollten und bei einer 6-er-Gruppe die Karten eh neu gemischt werden würden. So ging es Tag für Tag, Woche für Woche, wir haben die Transportboxmethode versucht, sind mit den beiden Auto gefahren, haben Pünktchen wochenlang Bachblüten gegeben, es wurde nicht besser, teilweise eher schlimmer.

Und letzte Woche dann stand mein Freund morgens in der Tür mit riesengrossen Augen, er war draußen um die beiden zu füttern, und erzählte, dass er sie gerade einträchtig zusammen sitzend angetroffen hätte ... ich hab es echt nicht geglaubt ... vor allem hab ich es auch die nächsten Tage nicht selbst so angetroffen, sie war zwar weniger scheu, aber nie richtig in seiner Nähe ... und vor drei Tagen komm ich dann in den Stall, sie hatten mich nicht gehört, da liegt Pünktchen entspannt auf dem Boden und er schlabbert sie ab ... mir standen echt die Tränen in den Augen!
Das junge Glück ist zwar noch zerbrechlich, vor allem wenn's Futter gibt ist Anton ziemlich neidisch und jagt die Kleine, aber beim Mittagsschläfen und Nachts herrscht jetzt traute Eintracht.

Also Ihr Lieben, gebt nicht auf, es ist eine endlos lange Zeit, aber es hat sich gelohnt und auch wenn ich oft verzweifelt war, ich bin soooo froh, dass ich nicht abgebrochen habe. KOPF HOCH - manche brauchen eben länger!

Zusammenführung mehrerer Gruppen
Zusammenführungen sind ein spannendes Thema, aber wenn man die wichtigsten Grundregeln beachtet ist es selten ein großes Problem, jedenfalls bei Pärchen. Ich habe bisher ca. 30 Pärchen (m/w) zusammen geführt, mehrere Gruppen, darunter meine eigene 4-er-Gruppe und eine 6-er-Truppe, die leider nach ein paar Tagen doch in 5 Tiere reduziert werden musste und dann zwei Monate später endgültig zerbrochen ist. Was ich persönlich aufgrund meiner eigenen Erfahrungen und dem Austausch mit anderen als wichtig erachte:

* neutraler Boden
* absolute Gelassenheit bei demjenigen, der die Gruppe zusammenführt
* viel Platz, aber nicht zu viel, damit sich eventuelle Feiglinge nicht aus der Affäre ziehen können und damit das Ganze nur unnötig in die Länge ziehen
* Geduld, Geduld, Geduld

Ein sehr diskussionswürdiger Punkt ist für mich, dass immer wieder gesagt wird, man solle auf den Charakter seiner Tiere achten.
Schön, aber wer kennt den Charakter seiner Tiere denn WIRKLICH??? Denn es ist nicht der Charakter des Einzeltieres gemeint, das vielleicht lieb und sanft mit seinem Besitzer umgeht, sich knuddeln und vielleicht sogar auf den Schoß nehmen lässt, aber bisher als Einzeltier gehalten wurde. Niemand kann vorhersagen, wie sich dieses Tier in einer Gruppe verhält. Ich bin der Meinung, dass sich der Charakter nur in der Gruppe wirklich zeigt, nicht mal in Paarhaltung kann man diesen komplett richtig erkennen. Als Beispiel: Ich habe Pünktchen und Anton Weihnachten 2005 zusammengeführt und es war eine Katastrophe. Pünktchen (Wild-Mix) war überängstlich und monatelang nur auf der Flucht vor Anton, der aber keineswegs aggressiv auf sie zugegangen ist. Es gab die ganze Zeit über keinerlei Verletzungen, kaum Fellflug, aber über 3,5 Monate saßen diese Tiere getrennt in ihren Ecken. Um sie einander näher zu bringen habe ich sie in die Transportbox gepackt und bin Spazieren gefahren, nach zwei Stunden zurück ins Gehege. Keinerlei Besserung. Und irgendwann ist der Knoten dann geplatzt und sie hat ihn immer näher an sich heran gelassen, bis sie nach knapp vier Monaten endlich angefangen haben sich zu putzen, zu kuscheln etc.. Mir gegenüber ist sie aber nach wie vor absolut scheu begegnet, es war schon ein riesen Erfolg wenn sie mal ein Leckerlie aus meiner Hand genommen hat, was aber nie unter 10 Minuten Geduld möglich war.
Im Juni wurden die beiden dann mit den anderen 2 Paaren vergesellschaftet, ich habe mir viele Gedanken um Pünktchen gemacht. Findet sie überhaupt in die Gruppe? Wie lang wird es diesmal dauern? Das arme Tier, was hab ich für Alternativen? usw. usw. Schlaflose Nächte ;-) Ich war mir sicher, dass mein Löffel der Boss der Truppe wird und zumindest in dieser Hinsicht habe ich mich nicht geirrt, es war sofort klar, aber nun kommt die große Überraschung, gerade mein armes, ängstliches Pünktchen hat sich gleich zu Beginn der Zusammenführung einen riesen Fight mit Löffel geliefert, da haben glaub ich alle Umstehenden (zu denen ich nicht gehört habe, weil mir der Punkt "Gelassenheit" leider abhanden gekommen ist und ich in der Küche ein Frühstückchen vorbereitet habe, damit ich das Drama nicht mit ansehen muss ;-)) die Augen fest zugemacht. Und nach dem Kampf war auch klar wer die Nummer 2 in der Truppe sein wird und klarer Herrscher über alle weiteren Tiere. Nämlich Pünktchen. Daran hat sich seither nichts geändert, sie ist ein Herz und eine Seele mit Löffel geworden und dirigiert die anderen nach Lust und Laune, manchmal mit Zärtlichkeiten und manchmal auch mit heftigen Jagereien, die aber natürlich auch dazu gehören. Und erst seit sie in dieser Gruppe ist blüht sie richtig auf, jagt hakenschlagend durch's Gehege, macht Luftsprünge vor Freude und wälzt sich fröhlich am Boden. Und auch mir gegenüber ist sie viel zutraulicher geworden.

Der Text wurde uns freundlicherweise von der Kleintierhilfe-München zur Verfügung gestellt.

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