Vergesellschaftung von Lemmingen



Vergesellschaftung von Lemmingen

Vergesellschaftung ist ein Begriff aus der Soziologie. Er beschreibt den Prozess, bei dem das Individuum zum Teil einer Gemeinschaft bzw. Gesellschaft wird, indem es in bestimmte soziale Zusammenhänge integriert wird. Auf Tiere übertragen heißt das, dass man ein Tier in eine Gruppe einbringt und es dort dadurch integriert wird, dass es sich entweder unterordnet oder über die bereits vorhandenen Mitglieder stellt.

Steppenlemminge lassen sich sehr schwer vergesellschaften. Nicht selten hat man am Ende einen Haufen Einzellemminge. Daher muss eine Vergesellschaftung vorher gut überlegt und durchdacht sein. Man sollte alle Wenn und Aber’ s durchgesprochen haben, ehe man beginnt.

Was ist das beste Vergesellschaftungs-Alter
Die besten Erfahrungen wurden mit jungen Lemmingen gemacht, die gerade von Mama und Schwestern getrennt wurden. Also Jungtiere zwischen der 4. und 6. Lebenswoche.

Was ist das schlechteste Vergesellschaftungs-Alter
Lemminge in der Pubertät sind nicht sie selbst. Sie haben in der Zeit genug mit sich selbst und ihrem Hormonhaushalt zu tun. Vergesellschaftungsstress reizt sie nur noch mehr. In der Pubertät befinden sich Lemminge zwischen der 7. und 14. Lebenswoche.

Lassen sich Männchen oder Weibchen besser vergesellschaften
Das lässt sich nicht eindeutig klären, denn die Verträglichkeit ist weniger vom Geschlecht, als von der Sozialisierung abhängig. Je besser die Tiere sozialisiert sind, desto eher verstehen sie sich.

Gut sozialisiert, heißt, die Tiere dürfen nicht vor der 4. Woche von der Mama getrennt worden sein. Die Babys sollten nicht nur bei der Mama, sondern in einer recht großen Gruppe geboren und aufgezogen worden sein.

Welche Vergesellschaftungsmethoden gibt es
Es gibt verschiedene Methoden.

Neutraler-Boden-Methode
Bei dieser Methode setzt man die zu vergesellschaftenden Tiere in einem vollkommen neutralen Gehege (frische Streu) zeitgleich (!) zusammen. Im Gehege befindet sich nur Streu, etwas Heu, Futter und Wasser und sonst nichts.

Panikbox-Methode
Bei dieser Methode setzt man die zu vergesellschaftenden Tiere in einer frisch eingestreuten Box zeitgleich (!) zusammen. Die Box sollte nicht zu groß gewählt werden. Denn bei der Panikbox-Methode nutzt man quasi die Panik der Tiere aus. Die Tiere haben Angst, denn alles ist neu und es ist viel zu eng. Anstatt sich zu beißen, legen sich die Tiere auf einem Haufen zusammen, denn Artgenossen bedeuten bei Gruppentieren Geborgenheit und Schutz.

Das ist jedenfalls der Idealfall.
In der Realität finden bei Lemmingen in der Panikbox normalerweise leichte Rangkämpfe statt, ehe sie sich beruhigen und sich annähern.

Trenngittermethode
Auf manchen Internetseiten findet man Ratschläge zur Trenngittermethode. Dazu wird ein Gehege in der Mitte mit einem Trenngitter (mit Draht bespannter Holzrahmen) geteilt. Die zu vergesellschaftenden Parteien kommen auf je eine Seite. Tag für Tag tauschen die Tiere die Seiten, damit sich der Geruch vermischt. Nach einer Woche entfernt man das Gitter.

Bisher hat diese Methode keine guten Erfolgsquoten, da sie bei den Tieren nur Aggressionen schürt. Sie können den "Eindringling" riechen und sehen, mit ihm aber die Rangordnung nicht klären. Treffen sie dann ohne Trenngitter aufeinander, knallt es. Es kommt zu Beißereien.

Was mache ich, wenn die Vergesellschaftung von Männchen nicht klappt
Im Falle von Männchen sollte man bei gescheiterten Vergesellschaftungen über eine Kastration des Männchens / der Männchen nachdenken. Verstehen sie sich nicht mit ihresgleichen, besteht nach der Kastration dennoch eine Chance, dass sie sich mit Weibchen vertragen.

In dem Falle kann man einem Kastraten beliebig viele Weibchen hinzu vergesellschaften.

Eine Veränderung des Revierverhaltens untereinander wird aber durch eine Kastration nicht hervorgerufen. Soll heißen, dass eine Kastration nicht dabei hilft, Männchen miteinander zu vergesellschaften. Durch eine Kastration fällt nur das Sexualverhalten, nicht aber das Revier verhalten weg.

Was mache ich, wenn eine Vergesellschaftung gescheitert ist und eine Kastration nicht in Frage kommt (z.B. bei Weibchen oder alten Tieren)
In dem Falle sollte man wirklich über eine Einzelhaltung nachdenken. Lemminge sind soziale Tiere und Einzelhaltung ist nicht artgerecht. Da Vergesellschaftungen aber sehr schwierig sind, kann man über eine Einzelhaltung dann nachdenken, wenn alle Versuche gescheitert sind.

Jedoch ist die Einzelhaltung nicht für jeden Lemming geeignet. Viele Lemminge vereinsamen zusehends. Viele rupfen sich ihr Fell aus, hören auf zu fressen und verfallen in stereotype Verhaltensweisen (Gitternagen, Eckenbuddeln, ununterbrochenes Laufradlaufen usw.).

Man sollte das Tier gut beobachten.
Weist das Tier nach einiger Zeit solche Störungen und Vereinsamungserscheinungen auf, sollte man erneut einen Vergesellschaftungsversuch starten.

Bei Weibchen sollte man auch einen Kastraten in Betracht ziehen.

Wieviele Vergesellschaftungsversuche sind vertretbar
Das ist von Tier zu Tier unterschiedlich. Der eine Lemming ist nach einem Versuch so geschädigt, dass er vor jedem anderen Lemming ab sofort schreckliche Angst hat. Der andere Lemming hat 5 Vergesellschaftungsversuche hinter sich und ist immer noch mutig und aufgeschlossen. Da muss man abwägen.

Tatsache ist - keine Einzelhaltung hin oder her -, dass man nicht 100 verschiedene Versuche starten darf. Mehr wie max. vier Versuche sollte ein Lemming wirklich nicht mitmachen müssen. Ich denke, wenn vier Versuche gescheitert sind, ist wohl klar, dass es nicht klappen wird.

Warum ist es so schwer Lemminge zu vergesellschaften, wenn sie angeblich doch so "sozial" sind
Man muss unterscheiden zwischen den wilden Lemmingen und unseren Haustieren. In der Natur können die Tiere sich ihre Partner, ihre Kumpels, selbst aussuchen. Vertragen sie sich mit jemandem nicht, jagen sie ihn einfach zum Teufel (bzw. aus ihrem Revier heraus) und fertig. In der Heimtierhaltung geht das nicht. Da ist es an uns, den Haltern, die richtigen Partner zu finden. Diese Suche ist manchmal wirklich ausgesprochen schwierig und oft findet man den passenden Partner einfach nicht.

Dennoch: Auf jeden Topf passt einen Deckel. Und jeder Lemming könnte vergesellschaftet werden - wenn man den passenden Partner finden würde. Da aber ein Lemming - wie gesagt - nicht mehr als vier Vergesellschaftungsversuche mitmachen sollte, sollte man innerhalb dieser maximal vier Versuche eben den passenden Partner gefunden haben. Dafür ist es sehr wichtig seinen Lemming und den, der neu dazu kommen soll, so gut wie möglich zu kennen oder einschätzen zu können.

Dennoch Sympathie und Antipathie entscheiden die Tiere ganz für sich allein. Und dieses Recht sollten wir ihnen zugestehen.

Autorin Anna Jedamczyk
www.die-nagervilla.de

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